Sonntag, 15. März 2009

Auf der Suche nach Struktur, Teil 2

Psychiatrie, wie läuft das überhaupt ab?

Jeder außenstehende und nun lesende wird sich sicher gleich denken: Das ist ja wie Urlaub. Dem möchte ich versuchen etwas entgegen zu setzen.

Es ist kein Urlaub zu denken, dass alle gegen mich sind, das sich alle gegen mich verschworen haben. Es ist kein Urlaub wirklich davon überzeugt zu sein, dass ich hässlich und ein Nichtsnutz bin. Es ist war kein Urlaub sein Leben lang gegen das zu kämpfen was mein Trauma hinterließ, sich durchzukämpfen trotzdem meine Mutter mein Leben lang meine Grenzen überschritt und mich nicht so akzeptierte wie ich. Es war eben nicht einfach einen Vater zu haben, der meine Kaninchen verprügelt und uns regelmäßig den Hintern versohlt hatte. Und - auch wenn es paradox klingt - es war ebenso kein Urlaub, dass er sich nach der Scheidung nicht mehr um uns gekümmert hat und noch immer - trotz meiner Bemühungen - kein Interesse an mir oder meiner Schwester zeigt.

Wenn ich Väter und Töchter beobachte, die ein gesundes Miteinander ausleben werde ich neidisch. Warum hat mir keiner gesagt: "Ich bin stolz auf Dich, ich vertraue auf das was du machst und stehe dir stets zur Seite, du kannst Dich immer an mich wenden"?

Ich möchte nicht rumjammern, sondern nur Tatsachen auf den Tisch packen die durchaus etwas emotional sind. Aber warum auch nicht? Krankt unsere Gesellschaft nicht daran, Emotionalität zu unterdrücken? Oder daran, Tatsachen auszublenden? Und auch daran, sich mit Vorurteilen, und Meinungsmachern ("Bild" dir deine Meinung) zufrieden zu geben?

Ja, Borderliner wollen Aufmerksamkeit. Ja, ich wollte und will Aufmerksamkeit. Ich will wissen, das ich für jemanden wichtig bin, ich will irgendwie ausdrücken, dass ich innerlich krank bin und äußerlich immer lächle.

Mir fällt es schwer, meinen Körper einzucremen, oder gar zu duschen. Schon wenn ich dies schreibe bin ich einer erneuten Angstattacke nahe. Es kommt plötzlich, dieses Herzrasen, Schwitzen, dieses komisches Gefühl.

Und nein es ist kein Urlaub sich damit auseinander zu setzen. Es ist schwierig morgens aufzustehen, wenn ich Depressionen habe, die mich lähmen. Ich hatte teilweise Angst in die Ergotherapie, Konzentrationsgruppe oder in die Laufgruppe zu gehen. Die Menschen dort könnten ja erkennen, was ich für ein schlechter Mensch bin.

Und es ist auch kein Urlaub sich in Gesprächen oder in der Ruhe die man hat, damit auseinander zu setzen wie man es immer wieder schafft Beziehungen und auch sich selbst zu zerstören. Es ist schwer mit plötzlichen Flashbacks oder starken Schuldgefühlen umzugehen.

Und ja, man fühlt sich bescheuert wenn man 3x wöchentlich an der Visite ansteht und nach Ausgang fragen muss. Seine Gedanken und Gefühle darlegen muss. Warum muss man? Weil ich mir helfen will. Da nutzt es mir nichts gegen das System zu arbeiten, ich muss mit dem System, mit den Ärzten, mit den Pflegern arbeiten.

Und komischerweise (zumindest für mich komisch) verstanden einige nicht, wenn ich Ihnen mit einem Lächeln im Gesicht sage: "Ich will mich selbstverletzen, verdammt geben sie mir was scharfes, ich hasse mich abgrundtief und will mich bestrafen". Wer also meint, es sei Urlaub mit seinen Impulsen klar kommen zu müssen liegt meiner Meinung nach falsch.

Es kommt nicht darauf an, was einem passiert ist, in welcher Art und wie "schwer". Es kommt darauf an, wie man sich damit fühlt und auch, wie man lernt damit umzugehen.

S.

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